| Wußten Sie schon,
dass .... .... während der sogenannten
Tulpenzwiebelspekulation der Wert einer Tulpenzwiebel so
hoch war, dass man davon fast ein Haus kaufen konnte?
Bei der Großen Tulpenmanie (auch Tulipomanie,
Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie) in Holland
im 17. Jahrhundert wurden Tulpenzwiebeln zum
Spekulationsobjekt. Es handelt sich um die erste gut
dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte,
die am 7. Februar 1637 platzte.
Tulpen stammen ursprünglich aus dem asiatischen Raum, wo
sie traditionell als Lieblingsblume der Sultane gelten.
Aus dem Osmanischen Reich gelangten sie um 1560 erstmals
über Konstantinopel (heute Istanbul) nach Wien. Ihre
Einführung leitet in der Geschichte der Gartenkunst die
sogenannte orientalische Periode ein, in der neben Tulpen
auch Hyazinthen und Narzissen eingeführt wurden. Es
waren jedoch besonders die Tulpen, die
Garteninteressierte faszinierten.
Der Botaniker Carolus Clusius, Leiter des kaiserlichen
Botanischen Gartens in Wien, konnte sich sehr für die
exotische Pflanze begeistern und ließ sie in der Folge
von Ogier Ghislain de Busbecq, einem bekannten
flämischen Edelmann, importieren. Clusius kultivierte
die Tulpe auf europäischem Boden erstmals 1573 in
großem Stile, indem er 1.500 der importierten Samen im
Botanischen Garten Kaiser Maximiliams II. aussäen ließ.
Als Clusius 1593 Österreich verließ und eine Stelle als
Professor für Botanik in Leiden annahm, führte er die
ihn so faszinierenden Tulpen-Pflanzen auch in den
Niederlanden ein. Die fremdartige Blume faszinierte viele
Bürger und wurde bald zum Statussymbol. Prachtgärten
entstanden nach italienischem Vorbild, die weibliche
Oberschicht trug die Tulpe zu gesellschaftlichen
Anlässen als Schmuck im Haar oder am Busen und viele
Künstler zogen in die Niederlande, das damalige
wirtschaftliche Zentrum Europas.
Schon bald wurden immer neue Tulpensorten gezüchtet.
Dabei half den Züchtern unwissentlich ein Mosaikvirus,
wie Wissenschaftler 1924 herausfanden. Dieses Virus
erzeugte gemusterte Blütenblätter und wurde von
Blattläusen übertragen. Als die Nachfrage nach
Tulpenzwiebeln das Angebot überstieg, stiegen die Preise
kräftig an. Tulpenzwiebeln wurden schon bald auf
Auktionen versteigert und zu einem beliebten Diebesgut.
Der Handel fand weniger an der Börse statt, sondern mehr
in den Kneipen und Wirtshäusern, die zu damaliger Zeit
überaus zahlreich waren. Hierbei hatte der Verkäufer
die Möglichkeit einer Auktion oder aber beide Seiten
schrieben ihren Preiswunsch auf einen Zettel und zwei
jeweils gewählte Unterhändler einigten sich dann auf
einen Preis. Dies alles geschah in alkoholisierter
Kneipenatmosphäre. Zudem kam der Käufer für Speis,
Trank und Tabak des Verkäufers auf.
Zunächst wurden die Zwiebeln nur während der Pflanzzeit
gehandelt. Da sich die Nachfrage jedoch ganzjährig
ausdehnte, wurden später auch solche Zwiebeln verkauft,
die noch in der Erde waren. Als Konsequenz wurde der
Tulpenhandel zum Spekulationsgeschäft, da niemand wusste,
wie die Tulpe wirklich aussehen würde. Zu dem Zweck der
Veranschaulichung, wie sie später aussehen sollten,
wurden Bilder in Auftrag gegeben. Kostbare Gemälde
entstanden während dieser Zeit vor allem in Utrecht, das
damals für etwa 400 Maler Europas Anziehungspunkt war.
In den 1630er Jahren überschlug sich die Entwicklung. Es
konnten jetzt auch Optionsscheine auf
Tulpenzwiebelanteile gekauft werden. Die Preise
explodierten und stiegen von 1634 bis 1637 auf das über
Fünfzigfache an. In Amsterdam wurde ein komplettes Haus
für drei Tulpenzwiebeln verkauft. Viele Zwiebeln
kosteten mehrere tausend Gulden, der höchste Preis für
die wertvollste Tulpensorte, Semper Augustus, lag Anfang
1637 bei 10.000 Gulden für eine einzige Zwiebel, zu
einer Zeit, als ein Zimmermann rund 250 Gulden im Jahr
verdiente. Die Spekulation war zur Spekulationsblase
gediehen.
Im Januar hatten sich die Preise bereits mehr als
verdoppelt. Ihren Höhepunkt erreichte die
Tulpenspekulation bei einer Versteigerung am 5. Februar
1637 in Alkmaar. Dort wurden für 99 Posten
Tulpenzwiebeln rund 90.000 Gulden erzielt. Doch bereits
zwei Tage zuvor hatte der Crash in Haarlem seinen Anfang
genommen, als bei einer der regelmäßigen
Wirtshausversteigerungen sich keiner der Händler mehr
traute zu kaufen. In den nächsten Tagen brach dann in
den gesamten Niederlanden der Tulpenmarkt zusammen. Alle
wollten verkaufen, kaum einer kaufen. Allein ganz
kostbare Zwiebeln konnten noch gehandelt werden, da es
genügend betuchte Liebhaber gab, die sich ihr Hobby
weiterhin leisteten. Doch die Masse der zuvor gehandelten
Zwiebeln gehörte zu den billigen Sorten, die auf einmal
wertlos waren. Am 7. Februar 1637 stoppte der Handel
schließlich. Die Preise fielen um über 95 Prozent.
Da in der Hochphase der Spekulation oft Zwiebeln an einem
Tag mehrmals den Besitzer gewechselt hatten, gab es eine
unermessliche Anzahl an Kaufverträgen, die nur bedient
werden konnten, wenn jeder Käufer seiner Verpflichtung
nachkäme, was jedoch utopisch war. Die Züchter
favorisierten eine Lösung, die allen Kaufverträgen
Gültigkeit zusicherte, wobei aber jeder Käufer das
Recht hatte, Käufe zu annullieren, die nach dem 30.
November 1636 getätigt worden waren. Als Ausgleich
müsste jedoch 10 Prozent des Kaufpreises gezahlt werden.
Für die meisten Floristen, wie die Händler genannt
wurden, hätte das den Ruin bedeutet. Sie favorisierten
einen viel niedrigeren Ausgleich. Die beiden
Interessengruppen wandten sich an ihre jeweiligen
Bürgermeister, damit diese eine Entscheidung träfen.
Die Städte fühlten sich überfordert und richteten eine
Petition an die Ständevertretung Hollands, um eine
landesweite Lösung zu finden. Zweieinhalb Monate nach
dem Kurseinbruch verfügte die holländische Regierung am
27. April 1637, dass die Städte selbst für eine Lösung
sorgen sollten. Zuerst hätten sie jedoch genaue
Informationen über den Blumenhandel einzuholen und zu
klären, was alles geschehen war. Zu der Zeit konnte sich
niemand in Holland erklären, warum der Tulpenmarkt so
außer Kontrolle geraten war. Etwas Vergleichbares hatte
es zuvor noch nicht gegeben. Solange die Städte die
nötigen Daten sammelten, befanden sich alle
Kaufverträge außer Kraft.
Die meisten Städte setzten die Resolution dahingehend um,
dass sie untersagten, Tulpengeschäfte gerichtlich zu
klären. Das Verbot zeigte sofort Wirkung. Züchter und
Floristen waren gezwungen, sich untereinander zu einigen.
Das bot den Floristen die Möglichkeit, sich ganz vor der
Zahlung einer Ausgleichssumme zu drücken. Wenn Floristen
doch einmal zahlten, dann kaum die von den Züchtern
geforderten 10 Prozent. Allein in Amsterdam blieb es
gerichtlich erlaubt, Tulpenprozesse zu führen. Doch kam
es nur zu wenigen Prozessen, da bei den wenigsten
Floristen Geld zu holen war. Die vielen ungeklärten
Streitfälle belasteten jedoch die Gesellschaft schwer,
da viele Freunde und Kollegen untereinander Geschäfte
gemacht hatten und nun zerstritten waren. Ein Jahr nach
dem Zusammenbruch setzten Städte
Schlichtungskommissionen ein, die die zahllosen
Streitigkeiten gütlich regeln sollten. Doch versuchten
sich viele Floristen weiterhin um ihre Verpflichtungen zu
drücken. Erst im Mai 1638 erließen zum Beispiel die
Regenten von Haarlem, wo der Kurssturz seinen Anfang
genommen hatte, eine Richtlinie: Käufer, die vom Kauf
zurücktreten wollten, hätten einen Ausgleich von 3 bis
5 Prozent des Kaufpreises zu zahlen; und Entscheidungen
der Schlichtungskommission seien fortan in allen Fällen
bindend. Damit konnte für den Großteil der Floristen
die Tulpenmanie zu einem glimpflichen Ende gebracht
werden. Sie standen kaum besser oder schlechter da als
vor dem Ausbruch des Tulpenfiebers. Dank dieses
Kompromisses wurde die florierende holländische
Wirtschaft nicht in eine Rezession gestürzt. Zu den
Spekulanten, die zu viel gewagt hatten, gehörte auch der
prominente Landschaftsmaler Jan van Goyen, der all seinen
Besitz in Tulpenzwiebeln angelegt hatte. Bis zu seinem
Tod zwei Jahrzehnte später schaffte er es nicht, seine
Schulden abzutragen.
Abschließend ist als Kuriosum festzustellen, dass es die
damals wertvollste Tulpe Semper Augustus heute nicht mehr
im Handel gibt mit dem Mosaikvirus befallene
Tulpen werden heute von den Züchtern vernichtet, damit
sie nicht ihre gesamten Bestände anstecken.
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